»Disabled Leadership« am 07.09.2026
29. Juli 2026
im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Netzwerke bilden, Expertisen teilen«
Montag, 07.09.2026, 17–19 Uhr (online via Zoom)
Im Mittelpunkt der dritten Veranstaltung steht das Konzept des Disabled Leadership – ein Verständnis von Führung, das von den Erfahrungen behinderter Menschen ausgeht.
Führung und Leitungspositionen werden häufig mit Unabhängigkeit, Kontrolle oder individueller Leistungsfähigkeit verbunden. Ausgehend von der Frage, wie gerechte und zugänglichere Strukturen entstehen können, zeigt sich ein anderes Verständnis: Führung bedeutet nicht, alles allein leisten zu müssen. Vielmehr geht es darum, Bedingungen zu schaffen, unter denen Menschen gemeinsam handeln, Verantwortung teilen und unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen können.
Die Künstler*innen Anajara Laisa Amarante und Zwoisy Mears-Clarke laden dazu ein, gemeinsam zu erkunden: Wie sieht Führung aus, wenn Unabhängigkeit nicht der Maßstab ist? Wie können Projekte so gestaltet werden, dass unterschiedliche Bedürfnisse und Zugangsweisen nicht als Hindernis, sondern als Grundlage gemeinsamer Zusammenarbeit verstanden werden?
Gemeinsam fragen wir, warum gerade die Erfahrungen von Menschen, die am stärksten von Barrieren betroffen sind, unverzichtbar sind. Das Wissen aus eigenen Erfahrungen ist eine wichtige Grundlage, um künstlerische Prozesse, Organisationen und Netzwerke inklusiver zu gestalten.
Raum für Austausch
Im Anschluss an den Beitrag öffnen wir den Raum für den Austausch. In Breakout-Sessions können Erfahrungen geteilt, Fragen diskutiert und Perspektiven zusammengebracht werden. Gemeinsam möchten wir darüber ins Gespräch kommen, wie Disabled Leadership in der eigenen künstlerischen oder organisatorischen Praxis aussehen kann und wie Entscheidungsprozesse gerechter gestaltet werden können. Alle können ihre Ideen und Wahrnehmungen einbringen.
Es ist kein Vorwissen notwendig.
Die Veranstaltung ist offen für alle.
Organisatorische Infos
Termin: Montag, 07.09., 17 – 19 Uhr
Format: Zoom (Link nach Anmeldung)
Sprache: Deutsche Lautsprache
Anmeldung unter: produktion@inklusives-netzwerk-kultur.de
Informationen zur Barrierefreiheit
- Verdolmetschung in DGS.
- Automatische Untertitel (nicht manuell korrigiert).
- Audiobeschreibung von Bild- und Videomaterial.
- Wortmeldungen im Chat sind möglich.
- Der Chat wird ausschließlich an die Moderation ausgespielt.
- Jede Form der Aufmerksamkeit ist willkommen.
- Stimming ist willkommen.
- Zu Beginn findet ein gemeinsamer Zugangs-Check-In statt.
- Slow Arrival: Der Zoom-Raum ist 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn geöffnet.
- Individuelle Bedarfe sowie Fragen zur Barrierefreiheit können bei der Anmeldung per E-Mail mitgeteilt werden.
Zu den Künstler*innen
Anajara Laisa Amarante ist eine brasilianische Crip- und LGBTQ+-Künstler*in, die in Berlin lebt und an der Intersektion von Disability Justice, dissidenten Körpern und Kunst arbeitet. Ihr primäres Medium ist der bewegende Körper, wobei ihre künstlerische Praxis in den darstellenden Künsten – insbesondere der Choreografie – verwurzelt ist und sich auf die bildende Kunst, Kuration, Pädagogik und öffentliche Reden erstreckt.
Als chronisch kranke, schwerbehinderte, queere Brasilianer*in, die in Europa lebt, beschäftigt sich Anajara in ihrer Arbeit mit Fragen der Identität, Migration, Postkolonialität und Zugehörigkeit. Ihre beruflichen Interessen sind zutiefst persönlich und politisch und konzentrieren sich auf queere und dissidente Körper, marginalisierte Communities sowie künstlerische Praktiken, die Inklusion, Vielfalt und kollektive Freude fördern.
Aufgrund einer früheren Ausbildung in Biologie und Kommunikationswissenschaften sowie Erfahrungen als Pädagog*in interessiert sich Anajara zudem für Natur, Umweltbildung, barrierefreie Pädagogik sowie für Menschen und Communities, die sich für den Schutz der Natur und Lebensweisen einsetzen.
Zwoisy Mears-Clarke versteht sich als Choreograf*in der Begegnungen. Das trifft Zwoisys Ansatz als freiberufliche*r Choreograf*in und auch als Community Organizer (wörtlich übersetzt: ‚Gemeinschaftsorganisator*in‘).
Als Choreograf*in nutzt Zwoisy das Potenzial des Tanzes, der Audiobeschreibung, der Poesie und des Geschichtenerzählens, um Formen der Unterdrückung sichtbar zu machen und um Begegnungen zu ermöglichen, die unter anderen Umständen unmöglich wären. Das Unkonventionelle oder Nicht-Normative ist immer willkommen.
Ein Beispiel dafür ist die Tanzform „nicht-visueller Tanz“, die Zwoisy zusammen seit 2014 mit nicht-professionellen und professionellen behinderten Tänzer*innen entwickelt hat, bei der der Tastsinn im Gegensatz zum Sehsinn der wichtigste Wahrnehmungssinn ist.
Zwoisys Choreographien wurden in Frankreich, Deutschland, und den Niederlanden u.a. präsentiert.
Als Community Organizer schafft Zwoisy Räume, in denen marginalisierte Menschen zusammenkommen können, um Kunst zu entwickeln, deren Ästhetik aus den Kulturen, sozialen Perspektiven und Wahrnehmungsweisen der Beteiligten hervorgeht.